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Fibromyalgie – Naturheilkundliche Behandlungsstrategien
Zusammenfassung des Vortrages von Dr. Zimmermann auf der Messe in Trier am 3.10.2001

Fibromyalgie ist charakterisiert durch verschiedene Eigenarten, die zur Diagnose dieser in der Ursache noch ungeklärten Krankheit aus der Gruppe des Weichteilrheumatismus hinführen können:

  1. Es besteht eine herabgesetzte sog. "Schmerzschwelle", d.h. bei anderen Menschen noch gut erträgliche Schmerzen und Reize, wie Druck auf das Gewebe, wird von Fibromyalgie-Patienten als schon schmerzhaft empfunden.
  2. Wir finden an typischen Stellen des Gewebes diese herabgesetzte Schmerzschwelle, meistens symmetrisch rechts und links, meistens sowohl im oberen, mittleren und unteren Körperabschnitt gleichmäßig ausgeprägt. Diese schmerzhaften Punkte nennt man "tender points".
  3. Das gesamte Bindegewebe, d.h. das Gewebe zwischen Haut und Muskulatur, um Gelenke herum, die im Bindegewebe eingebetteten Strukturen Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeutel, Gelenkkapseln usw. sind insgesamt sehr schmerzhaft auf Druck, durch Kneifen usw., aber auch schon in Ruhe.
  4. In der Regel ist der/die Patient/in sehr kälteempfindlich. Wärme tut eher gut.
  5. Der Schlaf ist erheblich gestört, man hat nicht das Gefühl, morgens ausgeschlafen zu sein, man fühlt sich "gerädert", "wie durch den Wolf gedreht".
  6. Die Schmerzen erinnern an eine Mischung aus "blauen Flecken überall" und "Muskelkater nach körperlicher Überanstrengung".
  7. Es bestehen oft seit Jahren wiederkehrende "funktionelle" Störungen der inneren Organe, wie häufige Blasenentzündungen, Magen-Darmstörungen, Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, gynäkologische Beschwerden, oft wurden auch deswegen schon Operationen durchgeführt.
  8. Die Stimmung der Fibromyalgie-Patienten/innen ist häufig gedrückt, läßt an depressive Verstimmung erinnern. Diese Verstimmung verstärkt sich oft im Lauf der Jahre, nicht zuletzt auch wegen der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit. Eine Depression ist in der Regel nicht die Ursache der Fibromyalgie!
  9. Es gibt die (häufigere) sog. "Primäre" Fibromyalgie, die ohne erkennbaren Grund auftritt und sog. "Sekundäre" Formen als Begleiterkrankung bei internistischen Grunderkrankungen. Bei Erstdiagnose der Fibromyalgie muß eine Sekundäre Fibromyalgie ausgeschlossen werden (Schilddrüsen-, Leber-, Stoffwechselerkrankung, andere rheumatische oder Autoimmunerkrankung, Kollagenosen).
  10. Statistisch sind überwiegend Frauen von der Fibromyalgie betroffen.
  11. In der Vorgeschichte bestanden oft schon auf einzelne Regionen beschränkte Schmerzen, wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen; auch deswegen wurde häufig schon operiert, in der Regel ohne großen Erfolg - denn die Fibromyalgie ist eine Systemkrankheit, die nicht wegoperiert werden kann!
  12. In Laboruntersuchungen und bildgebender Diagnostik gibt es keinerlei eindeutige, spezifische Parameter. Oft wird von einer "Ausschlußdiagnose" gesprochen. Das ist auch nicht korrekt, denn der Beweis für das Vorliegen einer Fibromyalgie ist ganz eindeutig zu erbringen: Durch eine ausgiebige Anamnese, die die Beschwerden des Patienten ernstnimmt und durch eine präzise körperliche Untersuchung. Hier zeigt sich die Qualität der ärztlichen Kunst!
  13. Es gibt fließende Übergänge zwischen dem Vollbild der Fibromyalgie und anderen ("rheumatischen") Schmerzkrankheiten. Die Fibromyalgie kommt häufig schleichend, viele Patienten erleben Jahre, teils Jahrzehnte voller Unverstandensein, weil oft nur bildgebende und Labordaten zur Diagnostik herangezogen werden, der klagende Mensch nicht ernsthaft am ganzen Körper untersucht wird und seine Aussagen nicht ernstgenommen werden, weil seine Aussagen in kein rechtes Schema passen.
  14. Rein statistisch gesehen beginnen die Schmerzen und Beschwerden der Fibromyalgie in relativ jungen Jahren und lassen im mittleren Rentenalter allmählich von alleine auch wieder nach. Es gibt auch Ausnahmen - so verschieden die Menschen sind, so schillernd können die Einzelheiten der Krankheit beim Einzelnen variieren.


Um Zeit zu überbrücken, hat sich das nachfolgende

"10-Punkte-Programm"

insbesondere zur Selbsthilfe immer wieder gut bewährt.
Es gibt dem Betroffenen Möglichkeiten an die Hand, seine Krankheit selbst in die Hand zu nehmen und direkt Einfluß darauf zu nehmen.
Es ersetzt nicht komplett den Arztbesuch. Die in der konservativen Schmerztherapie versierten Ärzte können Ihnen hilfreiche Tips geben.

10-Punkte-Programm nach Dr. Zimmermann

  1. Zweimal täglich eine Ganzkörperwaschung nach Kneipp: Morgens und abends, jeweils beim Umkleiden einen Waschlappen, Schwamm oder zusammengefaltetes kleines Handtuch mit kaltem Wasser, dem ein Schuß Essig zugefügt wurde, tränken, ausdrücken und - beginnend am rechten Unterschenkel über Oberschenkel, dann linkes Bein, beide Arme, Bauch, Oberkörper, Hals, Gesicht - den ganzen Körper kurz "abwaschen". Die Prozedur soll nur kurz, vielleicht 20 Sekunden, dauern. Den Schwamm paarmal neu mit dem kühlen Wasser-Essig-Gemisch tränken, weil beim Waschen der Schwamm schnell warm wird. Nicht abtrocknen! Die paar Tropfen Feucht bleiben auf der Haut und werden als sehr wohltuend empfunden. Danach sofort ankleiden, morgens mit der Tageskleidung, abends mit dem Nachtgewand. Morgens ein wenig für Bewegung sorgen, abends sofort ins Bett, damit Sie schnell die vom Körper geforderte Wiedererwärmung anregen. Diese Wiedererwärmung ist das Wesentliche an der Waschung!
  2. Ein-, besser zweimal pro Woche in die Sauna, ins Dampfbad oder eine andere wärmende Umgebung, z. B. warmes Bad, auch Infrarot-Strahler-Kabinen sind gut geeignet. Wenn diese Wärme nicht vertragen wird, entfällt Punkt 2, oder Sie fragen Ihren Arzt nach Alternativen.
  3. Stellen Sie für 4 bis 6 Wochen ganz bewußt Ihre Ernährung um und ernähren sich möglichst alkalisch: Viel Obst, Gemüse, Salate, Kartoffeln, Sauermilchprodukte, Rohkost, versuchen Sie in dieser Zeit auf Fettes, Speck, Fleisch, konzentriertes Eiweiß, Eier, auch Fisch mal zu verzichten, Brot, Getreide, Nudeln, Reis in geringer Menge. Ziel ist eine möglichst starke Alkalisierung des Organismus; man kann auch mit Basica-Salz ein wenig nachhelfen.
  4. Nehmen Sie ein hochdosiertes Johanniskraut-Präparat zusammen mit einem Kava-Kava-Präparat zur Schmerzschwellenhebung (wenn dies nicht wirkt oder nicht vertragen wird, kann auch ein niedrigdosiertes Trizyklisches Antidepressivum genommen werden).
  5. Trinken Sie bewußt ca. zwei Liter Flüssigkeit am Tag.
  6. Mischen Sie sich einen Kräutertee, der aus folgenden Bestandteilen zusammengesetzt ist:
    - Zur Schmerzdämpfung: z. B. Johanniskraut, Mistel, Weidenrinde.
    - Zur Gewebeverbesserung: z. B. Zinnkraut, Brennessel.
    - Zur Schlafförderung: z. B. Baldrian, Lavendel, Passionsblume, Hopfenzapfen, Rosmarin.
    - Zur Anregung der "Säfte" und zur "Entgiftung": z. B. Goldrute (Niere), Löwenzahn (Galle), Mariendistel, Schöllkraut (Leber), Lindenblüten (Schweißdrüsen), Wollkraut (Schleimhäute).
    - Ein "Standardtee" besteht aus den fünf unterstrichenen Bestandteilen).
    - Zu gleichen Teilen mischen, 3 x tägl. je eine große Tasse oder eine Kanne, man nimmt eine "Prise" pro Tasse, 5 Minuten ziehen lassen, abseihen.
  7. Lassen Sie sich eine homöopathische Konstitutionsbehandlung (nach Hahnemann) von einem in Homöopathie ausgebildeten und versierten Arzt
    durchführen.
  8. Führen Sie möglichst regelmäßig (einmal pro Woche) milde Bewegung durch, ohne falschen Ehrgeiz, ohne sich irgendwie zu überlasten. Die beste Sportart ist Tanzen! Vielleicht gibt es auch eine pfiffige Bewegungsgruppe in Ihrer Nähe.
  9. Gönnen Sie sich gelegentlich eine Ganzkörperlymphdrainage zur milden Anregung der Gewebesäfte und zur Schmerzdämpfung.
  10. Die sog. "Skin-Wave"-Behandlung arbeitet mit milden, wohltuenden Reizen über die wichtigsten Reflexzonen. Sie fördert die Durchblutung, führt zur Schmerzdämpfung, zu allgemeinem Wohlbefinden und regt mild alle Organe an. Eine ebenso wertvolle Hilfe zu emotionalem Ausgleich und Schmerzdämpfung, eine Kombination aus Lymphdrainage, energetischem und emotionalem Ausgleich und Reflexzonenbehandlung ist die Balance-Therapie.

Weitere Möglichkeiten, die versucht werden sollten:

  • TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation)
  • Entspannungsverfahren, Verfahren zum "Schmerzcoping", um den Schmerz besser zu ertragen
  • Bäder mit entspannenden Badezusätzen
  • Mistel-Therapie
  • Heilfasten
  • Superkälte (Kältekammer)
  • Vitamin C-Infusionen (7,5 Gramm Vitamin C)
  • Niedrigdosierte trizyklische Antidepressiva
  • Wenn eine allgemeine Schmerzdämpfung erreicht werden kann, kann auch Neuraltherapie oder Homöo-Meridian-Therapie helfen

Was meistens nicht oder wenig hilft:

  • Akupunktur
  • Schmerzmittel
  • "Einrenken", Chirotherapie
  • Kräftige Massagen
  • Wohlgemeinte kräftigende Krankengymnastik, Krafttraining
  • Psychoanalyse
  • Zu starke Kneipp'sche Kaltanwendungen

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