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Fibromyalgie - Die Muskeln funken Dauerschmerz!
Andrea Zimmermann, Therapiezentrum Martinsmühle

Wissen Sie, wie es ist, einen starken Muskelkater zu haben? Und nun stellen Sie sich vor, Sie hätten einen solchen Muskelkater ständig, Tag und Nacht, bei jeder Bewegung. Dann können Sie ungefähr nachfühlen,wie sich ein Fibromyalgie-Patient fühlt.

Von dieser noch relativ unbekannten Erkrankung sind vor allem Frauen betroffen, etwa siebenmal häufiger als Männer. Die Beschwerden äußern sich in immer wiederkehrenden, chronifizierten Schmerzen am gesamten Körper. Oft sagen die Patienten "Mir tut einfach alles weh." Hinzu kommen Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, in der Folge dann auch depressive Zustände. Häufig leiden die Patienten auch an körperlichen Symptomen, die wir von Streßreaktionen kennen, wie nervösen Darmstörungen im Sinne eines Kolon irritabile, häufigem Harndrang, Unregelmäßigkeiten in der Regel, Herzrasen, Schwitzen bei kalten Händen und Füßen, trockenem Mund und/oder Magenschmerzen. Oft beginnen die Beschwerden in den Wechseljahren. Die Wissenschaftler rätseln aber noch, wodurch diese Erkrankung ausgelöst wird; man vermutet weniger einen Zusammenhang mit Hormonen, sondern eher eine Störung im Serotonin-Haushalt, die eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Muskulatur hervorruft.

Selbstverständlich muß abgeklärt werden, ob es sich nicht doch um eine Erkrankung, z.B. aus dem rheumatischen Formenkreis, handelt – bei manchen Patienten schwellen Finger und Gelenke an. Auch Stoffwechselstörungen wie z.B. Schilddrüsenerkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Wenn dies erfolglos passiert ist, hören die Patienten jedoch oft: "Wir finden nichts, wir können nichts mehr tun." Da bei diesem Beschwerdebild keine organischen Krankheiten nachweisbar sind, fühlen sich viele Patienten dann in die Psycho-Ecke abgeschoben. Und oft hören sie von ihrer Umgebung auch einfach nur: "Stell dich nicht so an!" Die Schmerzen sind jedoch ganz real, und auch wissenschaftlich nachweisbar. In Bayern wurde am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität unter Leitung von Professor Senn eine Methode zum Nachweis der Fibromyalgie erarbeitet. Dr. Zimmermann, der das Verfahren mitentwickelt hat, erklärt: " Man nimmt Tenderpoints, das sind festgelegte Schmerzpunkte der Muskulatur am gesamten Körper, und mißt die Schmerzintensität dieser Punkte durch Druck; je nachdem wieviele Tenderpoints wie stark ansprechen, ergibt sich mehr oder minder sicher das Bild einer Fibromyalgie." In Bayern ist die Fibromyalgie übrigens sogar als Berufsunfähigkeits-Erkrankung anerkannt.

Die Behandlung der Fibromyalgie ist schwierig. In fortgeschrittenen Fällen helfen Schmerzmittel relativ wenig. Spezielle Medikamente sind noch nicht entwickelt. Mit kleinen Dosen von Antidepressiva versucht die Schulmedizin vor allem nachts Schmerz und Schlaf der Patietenten zu verbessern. Und- so schmerzhaft es am Anfang sein mag- gezielte Bewegungsschulung und Muskeltraining, unter physiotherapeutischer Anleitung, bessern langfristig die Schmerzen und erhöhen die Leistungsfähigkeit. Auch Coping-Mechanismen zur Schmerzbewältigung sind sinnvoll. Außerdem bietet die Naturheilkunde interessante und wirkungsvolle Behandlungsansätze.

Neben all dem Schmerz hat die Fibromyalgie jedoch auch ihre positiven Seiten: es handelt sich um keine lebensbedrohliche Erkrankung. Und die Beschwerden bessern sich mit zunehmendem Alter. Über 70 Jahren gibt es kaum noch Fibromyalgiker. Vielleicht ein kleiner Trost für diejenigen, die mit der Krankheit Fibromyalgie leben müssen.


Fibromyalgie – Naturheilkundliche Behandlungsstrategien

Die Naturheilkunde sieht die Ursache der Fibromyalgie in einer Fehlsteuerung der Körperregulation , mit einem Festsitzen sonst frei fließender Energien. Durch den gestörten Regulationsmechanismus entstehen dauerhaft verkrampfte Muskulatur, Lymphstau mit Ablagerung von kristallinen Strukturen im Gewebe und Dauerschmerz. Das naturheilkundliche Behandlungsprinzip lautet -wie immer-, die Reaktion der Natur zu benützen, unterstützen und zu leiten, mit dem Ziel, die Selbstheilungskräfte zu optimieren. Im Therapiezentrum Martinsmühle werden je nach Konstitution des Patienten und Ausprägung der Erkrankung unterschiedliche Maßnahmen, als Einzeltherapie oder in Kombination, durchgeführt:

  • Zur Schlafförderung und Schmerzdämpfung Präparate mit hochdosiertem Johanniskraut
  • Homöopathische Behandlungen. Über das Anstoßen der Eigenschwingung des Körpers wird versucht, den Körper neu einzuregulieren.
  • Techniken wie Lymphdrainage, Balance oder Skinwave setzt man ein, um den gestörten Lymphfluß anzuregen und die Muskulatur dauerhaft zu lockern. Tuina-Therapie und Shiatsu können den Schmerzzustand verbessern; Massagen sind eher ungeeignet, da sie den Schmerzzustand des Gewebes verstärken können
  • die Akupunktur soll z.B. die Schmerzschwelle heben und den Energiefluß der Körpermeridiane ausgleichen; sie ist jedoch - anders als bei anderen Schmerzerkrankungen- bei der Fibromyalgie nicht Mittel der ersten Wahl.
  • Hyperthermie, auch künstliches Fieber genannt: In Überwärmungsbädern wird die Körperkerntemperatur der Patietenten langsam bis auf 41 Grad heraufgesetzt. Das Fiebern, das einen halben Tag andauert, bewirkt eine starke konstitutionelle Umstimmung, die Wärme eine tiefe Muskelrelaxation
  • pflanzliche stoffwechselanregende Mittel wie verschiedene Algenmischungen oder Kräutertees werden eingesetzt, um die Ausleitung anzuregen, den Stoffwechsel zu aktivieren
  • Orthomolekulare Therapie: über eine Infusion werden spezielle, individuell zusammengestellte hochdosierte Vitamin- und Mineralstoffgaben verabreicht. Durch die Gabe direkt in die Adern stehen die Stoffe dem Körper sofort und unmittelbar zur Verfügung, und in einer Konzentration, die oral nicht möglich wäre
  • Mistel-Therapie kann nicht nur in der Krebstherapie, sondern auch bei der Fibromyalgie sinnvoll sein. Gespritzt werden unterschiedliche Präparate; die Dosierungen werden in der Regel kontinuierlich gesteigert
  • Bienen-, Insekten-, und Schlangengifte, die als Quaddeln unter die Haut gesetzt oder als homöopathisches Mittel gegeben werden, wirken als starke Umstimmungsreize
  • Hydrotherapie, d.h. die Wasserheilkunde: hier sind vor allem Waschungen wichtig. Ebenfalls empfehlenswert: 2x pro Woche in die Sauna oder den Infrarotstrahler
  • Trinken, Trinken Trinken... -Ausreichend Flüssigkeit ist ganz wichtig; eine Ernährungsumstellung auf vorübergehende basische Ernährung kann sinnvoll sein
  • Heilfasten, wenn Sie ausreichend motiviert sind - dann hilft es fast immer. Am besten unter ärztlicher Führung als Meditationsfasten.
  • Als Bewegungsprogramme sind vor allem Qi gong oder Lenoarmi geeignet: fließende, körperzentrierte und ruhige Bewegungen aus der Natur
     

Nähere Infos erhalten Sie:

1. Im Therapiezentrum Martinsmühle, Wadrill, Tel. 06871/ 92 12 00

2. Beim Bundesverband der Fibromyalgie-Vereinigung DFU e.V. - Postfach 1140, 74741 Seckach, Telefonische Auskunft im Saarland Fr. Gudrun Brenner, 06825/94 00 21

3. Selbsthilfegruppen Fibromyalgie Saarland, z.B. in Neunkirchen, Frau Elke Welker Tel. 06851/85638 oder 0171/7540028

4. Selbsthilfegruppe Fibromyalgie Rheinland-Pfalz