Gesundheitstips

Übersicht

Hier startet eine neue Serie zur Naturheilkunde. Wir wollen Ihnen aus verantwortlicher ärztlicher Sicht eine Reihe wohltuender und heilender Maßnahmen nahebringen, die Sie selber oder in Zusammenarbeit mit Ihrem Therapeuten bei alltäglichen Beschwerden anwenden können:

  • Wohltuende Wickel bei alltäglichen Beschwerden: Kartoffelwickel, Zwiebelwickel, Quarkwickel
  • Wasseranwendungen zur Kräftigung des Immunsystems und zur Dämpfung bestimmter Schmerzzustände
  • Kräuteranwendungen für viele lästige Wehwehchen
  • Ernährungsratschläge für verschiedene chronische Leiden
  • Zarte Massage- oder Akupressurtechniken für Kinder und Erwachsene
  • und, und, und....

Mistel, Bienengift und Gänseblümchen - Naturheilkunde heute

Gehören Sie zu den Bundesbürgern, die sich im Krankheitsfall gerne mit naturheilkundlichen Mitteln behandeln (lassen)?
Dann befinden Sie sich, wie eine neue Befragung der Demoskopie Allensbach ergibt, in guter Gesellschaft mit 83 Prozent der deutschen Bevölkerung. Der Trend hin zu Naturheilverfahren ist ungebrochen. Und natürlich gibt es einen riesigen Markt der naturheilkundlichen Methoden und Therapien.
Da stellt sich die Frage, was ist denn überhaupt Naturheilkunde?
Und - auch wichtig - wie harmonieren und ergänzen sich Schulmedizin und Naturheilkunde?

Naturheilkunde wird in Deutschland von Heilpraktikern und Ärzten (oft mit Zusatzausbildung für Naturheilkunde) angeboten, kann aber natürlich von jedem daheim selber praktiziert werden.

Aus ärztlicher Sicht empfiehlt es sich immer, im Zweifelsfall eine gründliche körperliche Untersuchung und ärztliche Beratung zum Verständnis eines Krankheitsbildes durchführen zu lassen. Hier werden wichtige und dringliche Krankheitsbilder, die der Laie nicht erkennen kann, ausgeschlossen.
Über die therapeutischen Möglichkeiten kann man bei leichten Beschwerden, insbesondere aber auch bei chronisch gewordenen lästigen Wehwehchen in aller Regel selbst entscheiden: Es ist schön, wenn der Arzt alternative Therapiemöglichkeiten kennt und sie fördert, um die Selbstverantwortung und das “Mitmachen” seiner Patienten zu ermöglichen, ganz nebenbei können auch oft teure chemische Medikamente eingespart werden.
Die Naturheilkunde braucht immer ein gewisses Maß an Mitarbeit und gutem Willen von seiten des Arztes und des Patienten, der nicht nur die Hand aufhält für ein Rezept oder Pillen...

Der Begriff Naturheilkunde ist nicht exakt definiert, es gibt verschiedene Ansätze, wie man Naturheilverfahren definieren kann:

  • 1. Es sind Verfahren, die in früherer Zeit angewandt wurden, damals mangels anderer Möglichkeiten, heute aber wiederentdeckt werden oder überliefert wurden, weil sie sich immer wieder bewährt haben bei alltäglichen Beschwerden und nicht gefährlichen Krankheiten. Hierzu gehört der Bereich der Wickel, der Wasseranwendungen, Bäder, die Kräuterlehre, aber auch “ausleitende Verfahren”, die den Säftestrom anregen, wie Schwitzen, Verdauungsanregung, Wasserausscheidung, Schröpfen, Aderlaß
     
  • 2. Es können Methoden sein, die die “Selbstheilungskräfte” anregen, also nicht die natürlichen Körperabläufe unterbrechen, stören, unterdrücken, sondern sie geradezu anregen wollen. Beispiele sind die Fiebertherapie zur begleitenden Krebsbehandlung oder Reiztherapien, z. B. mit Bienengift, Ameisensäure, Eigenblutbehandlungen, Anwendung reizender Stoffe wie z. B. Senfanwendungen.
     
  • 3. Methoden, die man daheim selbst anwenden kann, in aller Regel gefahrlos sind und v.a. bei harmlosen Krankheitsbildern den Arztbesuch ersetzen sollen: Teemischungen, Ernährungsratschläge, Wickel, Kneipp`sche Anwendungen, Homöopathika bei Befindlichkeitsstörungen.
     
  • 4. Therapieverfahren, die ihren Wirknachweis noch nicht erbringen konnten, also den strengen wissenschaftlichen Kriterien der - Schulmedizin - (noch) nicht genügen können. Hier finden sich selbstverständlich auch moderne Verfahren und Erfindungen, denen man durchaus kritisch gegenüberstehen sollte. Andererseits wird für viele naturheilkundliche Verfahren niemals ein wissenschaftlicher Beweis erbracht werden, denn solche Studien kosten Geld, und wer sollte eine Studie zum Wirkungsnachweis einer Kneipp`schen Waschung bei bestimmten Schmerzen finanzieren? (Vielleicht das Wasserwerk).
     
  • 5. Naturheilkunde kann auch definiert werden als all jene Verfahren, die ohne chemische Hilfsmittel und ohne komplizierte technische Hilfsmittel auskommen, also ihre therapeutische Wirkung aus der Natur nehmen:
    Pflanzen, natürliche Mineralien, natürlich vorkommende Reize wie Sonne, Wind, Wasser, Kälte, Wärme, Nahrungsmittel, natürliche Bewegungsabläufe
     
  • 6. Naturheilkundliche Diagnostik erfolgt mit den natürlichen sechs Sinnen des Behandlers, ob als Pulsdiagnose der chinesischen Medizin, als Irisdiagnostik oder manuelle Untersuchung der europäischen Heilkunde


Interview:

Schulmedizin und Naturheilkunde - Gegensatz oder Bereicherung?

IV: In der neuen Allensbach-Studie reagieren 83 Prozent der Bevölkerung auf den Begriff Naturheilkunde mit spontaner Sympathie. Das Schlüsselwort Antibiotika finden nur 49 Prozent sympathisch. Die Bevölkerung hegt eine ausgeprägte Zuneigung zu alternativen Heilverfahren und Naturheilmitteln. Bei welchen Erkrankungen ist es denn sinnvoll, Naturheilverfahren einzusetzen? Und wann muß schulmedizinisch behandelt werden?

Dr. Zimmermann: Die Schulmedizin ist äußerst effektiv bei lebensbedrohlichen Zuständen und Notfällen; in diesen Bereichen ist sie - Gott sei Dank - heute nicht mehr wegzudenken. Weniger erfolgreich ist sie in der Behandlung chronischer Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen. Hier kann die Naturheilkunde sinnvoll ergänzend eingreifen.

IV: In der neuen Allensbach-Studie sind 81 Prozent der Bevölkerung davon überzeugt, daß sich schulmedizinische und naturheilkundliche Ansätze ergänzen können. Aber gibt es da nicht immer noch Reibereien zwischen Schulmedizinern und Naturheilkundlern?

Dr. Zimmermann: Die Grabenkämpfe sind heute zum Glück nicht mehr so wichtig wie noch in den 50 und 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Mein Vater, Dr. Walter Zimmermann, leitete damals in München das erste Krankenhaus Deutschlands, in dem Schulmedizin und Naturheilkunde gleichzeitig betrieben wurden. Seitdem ist viel passiert. Und seriöse Institutionen wie z.B. der Bund der deutschen Internisten kümmern sich mittlerweile um die Ausbildung der naturheilkundlich interessierten Ärzte, sodaß auch ein hohes Niveau garantiert ist. Schulmedizin und Naturheilkunde sind heute kein Gegensatz mehr. Idealerweise werden sie gemeinsam verantwortlich ausgeübt. Dann ergänzen sie sich optimal - zum Wohle des Patienten.

Infos zur Person:
Dr. Bruno Zimmermann, geb. 1960, ärztlicher Leiter des Therapiezentrums Martinsmühle, Internist und Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Promotion über die Immun-Wirkung des Heilfastens, zahlreiche Veröffentlichungen, vor allem im Bereich der naturheilkundlichen Schmerztherapie; bei NIDM und Bund der deutschen Internisten als Referent in der Ärzteausbildung Naturheilverfahren tätig; weiterbildungsberechtigt in Naturheilverfahren, Innerer Medizin, Physikalischer und Rehabilitativer Medizin.

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